Matthias Dahlke
Kontakt

Email: mdahlke(at)gmail.com
Dissertationsprojekt
Arbeitstitel:
Zwischen Innerer Sicherheit und Außenpolitik. Staatliche Reaktionen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden auf transnational operierende Terroristen (1972-1975)
Betreuer:
Prof. Dr. Kiran Klaus Patel, EUI Florenz;
PD Dr. Johannes Hürter, IfZ München
Abstract:
Die frühen 1970er Jahre stellen in Westeuropa eine Zeit fundamentaler gesellschaftlicher Umbrüche dar. Synchron zum gesellschaftlichen Wandel vom Planungsparadigma hin zu einer grundlegend verunsicherten Gesellschaft vollzog sich die Durchsetzung einer Bedrohungskategorie: Transnationaler Terrorismus. Traf der Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 in München die deutschen Behörden völlig unvorbereitet, hatte sich 1976 transnationaler Terrorismus als internationales politisches Handlungsfeld etabliert. In den Jahren nach dem "Urknall" von München entwickelten die westeuropäischen Länder - am stärksten betroffen Westdeutschland, Österreich und die Niederlande - eigene Strategien, institutionelle Strukturen und Denkmuster zur Bekämpfung dieses als neu empfundenen Phänomens. Vielfach wurde versucht, transnationalen Terrorismus als singuläres Ereignis abzutun und dementsprechend konziliant mit Terroristen zu verhandeln. Wiederholte Anschläge zwangen jedoch zur Auseinandersetzung.
Diese Vorgänge quellennah und aus einem transnationalen Blickwinkel zu analysieren ist zentrale Aufgabe des Dissertationsprojekts an der HU Berlin/ IfZ München. Auf der Basis von vor kurzem freigegebenen, vorwiegend staatlichen Dokumenten (v. a. Krisenstabsunterlagen) aus Westdeutschland, Österreich und den Niederlanden sollen das Denken und Handeln der verantwortlichen Personen und Stäbe, aber auch transnationale Lernprozesse und Entwicklungen nachvollzogen werden. Als Fallbeispiele werden je zwei politische Geiselnahmen transnational agierender Terroristen innerhalb eines Landes herangezogen, da diese Fälle "den Staat" zum Handeln und zur Stellungnahme zwangen und dementsprechend historisch gut dokumentiert sind. Gleichzeitig gibt die transnationale Ausrichtung der Terroristen den Blick frei auf Spannungsfelder zwischen Verantwortlichen für Innere Sicherheit und Außenpolitik und zeichnet so ein Bild der Politik- und Kulturgeschichte der frühen 70er Jahre.
Studium/ Forschungstätigkeit
Seit 2007 Promotionsstipendiat der Gerda-Henkel-Stiftung, externer Mitarbeiter im Projekt "Demokratischer Staat und terroristische Herausforderung" am Institut für Zeitgeschichte München
2007 DAAD-Kurzzeitstipendium für Doktoranden für Aufenthalte in Österreich und den Niederlanden
2006 Droysen-Preis des Instituts für Geschichtswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin
2001-2006 Humboldt-Universität zu Berlin, Magister der Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre
2003/2004 Studienaufenthalt an der Université Paris I (Panthéon-Sorbonne)
Vorträge/ Veröffentlichungen
Der Anschlag auf Olympia’72. Die politischen Reaktionen auf den internationalen Terrorismus in Deutschland, München 2006.
""Nur eingeschränkte Krisenbereitschaft". Die staatliche Reaktion auf die Entführung der CDU-Politikers Peter Lorenz 1975", in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 55 (2007), Heft 4, S. 641-678.
"Der blinde Fleck. Transnationaler und nationaler Terrorismus auf dem Weg zum "Deutschen Herbst"", in: Jan-Holger Kirsch/Annette Vowinckel (Hrsg.) Zeitgeschichte-online, Thema: Die RAF als Geschichte und Gegenwart, Mai 2007, URL: http://www.zeitgeschichteonline.de/zol/portals/_rainbow/documents/pdf/raf/dahlke_dbf.pdf
"Businessmen as Mediators in Transatlantic Drifts. The Example of the 1920s", in: TSFJournal 2/2005.
Zahlreiche Artikel im Weser-Kurier Bremen 1999-2001.
"Europa – ein Schleimpilz!", in: Peter Casny (Hrsg.), Zukunft der europäischen Integration. Wahrheiten über Europa, erscheint 2008.
"März, Michael: Die Machtprobe 1975. Wie RAF und Bewegung 2. Juni den Staat erpressten. Leipzig 2007", in: H-Soz-u-Kult, 20.08.2007, URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-3-132.
nach oben
|