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Sebastian Baden

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Dissertationsprojekt

Arbeitstitel:
Die Fiktionalisierung des Letalen. Zur Ästhetik der Gewalt in der zeitgenössischen Kunst

Betreuer:
Prof. Dr. Beat Wyss (HfG Karlsruhe/ Sik | ISEA Zürich)

Abstract:
Das Phänomen „Terrorismus“, welches seit der Wende zum 21. Jahrhundert eine Konjunktur im kulturwissenschaftlichen Diskurs erfahren hat, prägt die ästhetische Erfahrung der Gegenwart mit unangenehmer Penetranz. Visuell repräsentiert sich Terror vornehmlich über Bilder und einen Mythos der Gewalt, dessen Abschreckungs- und Faszinationskraft äquivalent erscheinen. Kulturgeschichtlich bedeutet die explosive und stets latente Gewalt des potentiellen Angriffs aus dem Nichts eine Wende innerhalb des Prozesses, der als Zivilisation in seinem Ursprung gerade die Eindämmung von Aggressionspotential vorsieht. Die globale Reetablierung einer Demonstration archaischen Machtgebarens steht in Opposition zum Bestreben, mit supranationalen Bündnissen eine friedliche Weltgemeinschaft zu organisieren. Der politische Machtdiskurs wird unterminiert durch Prozesse des Selbstopfers und der Exekution, die in der westlich dominierten Bildkultur eine globale Verbreitung finden. Beginnend mit dem „Deutschen Herbst“ in den 70er Jahren und dem Aufgreifen eines abstrakten Radikalismus in der Subkultur konnte erprobt werden, wie sich die Macht der Medien instrumentalisieren lässt und innerhalb ihrer eigenen Aufmerksamkeitsökonomie fremd nutzbar ist.
Durch die Konfrontation von rein ästhetisch motivierten Proklamationen der Gewalt mit einer sich radikal politisch wandelnden Militanz entsteht die Spannungskurve, die sich als Feedbackschleife in einer künstlerischen Reflektion auf die Entfaltung von Aggressivität manifestiert. Sendboten der Gewalt entäußern sich folglich äquivalent im fiktionalen wie realen Medienraum und besetzen das Wahrnehmungsfeld des Betrachters. Das „Beautiful Suffering“ wird rezipiert als simuliertes Ereignis auf einer Repräsentationsebene, welche trotz ihrer scheinbaren Authentizität aber das fiktionale Geschehen a priori setzt und die Realität des Schmerzes medial abstrahiert. Die Versehrtheit des Körpers wird nur noch in ihrer Übersteigerung akzeptiert. Dadurch reduziert sich das Bild auf den Effekt des Einschlags. Gleichzeitig reagiert das künstlerische Medium auf diese Informationsselektion mit einem autoreflexiven Gestus, der sich den Leerstellen der visuellen Geschichtsschreibung annimmt und sie mit eigenen Interpolationen zu füllen versucht. Entscheidend bei der Diskrepanz zwischen der Repräsentation des Terrors in den Informationsmedien und seiner Reflektion in den künstlerischen Bildern ist die Definition der ästhetischen Distanz, aus welcher die Wahrnehmungsposition operiert. Geschieht die Rezeption aus der Perspektive der Ästhetik, so greift sie automatisch auf ein Deutungsverfahren zurück, welches in der Tradition der Moderne verankert ist und den visuellen Eindruck von seiner ethischen Implikation befreien kann. Resultierend aus den Proklamationen und dem Gestus der Avantgarden entsteht die Möglichkeit, ein Konkurrenzverhältnis zu konstruieren, welches die künstlerische Gewalt der realen gegenüberstellt und ihre wirklichkeitskonstituierende Relevanz erneut diskursfähig macht. Eine künstlerische Antwort ist in diesem Vergleich die Angst vor der Belanglosigkeit des ästhetischen Handelns, welches von der realen Konsequenzlosigkeit des Kunstsystems vorgegeben ist. Eine Diskussion von Inszenierungs- und Rezeptionspraktiken künstlerischer Gewalt steht deshalb vor dem Hintergrund des Avantgardediskurses des 20. Jahrhunderts und seiner Fortsetzung in der Gegenwart. Die Ausbreitung der fiktionalen Gewalt als künstlerischem Mittel zur Reflektion und Erzeugung von Aufmerksamkeit und das Bedürfnis des Zuschauers nach existenzieller Tragik konstituieren eine Attitude, die sich auch in der Mainstream-Bildkultur verifizieren lässt. Die Härte des Exterminierungsspiels und die Distanz zur Erfahrung des Todes macht es notwendig, den Terror als Moment einer künstlerischen Praxis zu analysieren, die seinen Agitatoren nicht bewusst sein kann. Der strapazierte Körper als immer wiederkehrendes Motiv ist Gegenstand einer Ästhetik des Letalen, die gerade mittels der Fiktion in ein Verhältnis zur Realität tritt, welches auf der Basis einer visuell dominierten Wahrnehmung eine Untersuchung erfordert. Eine kunsttheoretische Herangehensweise muss deshalb aus den Differenzen der zeitgenössischen Bildkulturen sowie aus der Dynamik sozioökonomischer Entwicklungsprozesse eine Deutbarkeit der Funktion und der Konsequenz ideologischer Bildinstrumentalisierung gewinnen, die sich in ein Verhältnis setzen lässt zur Reaktion des Bildes, das Kunst ist.

Studium/ Forschungstätigkeit

seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunstwissenschaft & Medientheorie der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

2007-2010 Doktorand und Stipendiat im DFG Graduiertenkolleg „Bild-Körper- Medium. Eine Anthropologische Perspektive“, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Beat Wyss Arbeitstitel: „Die Fiktionalisierung des Letalen. Die Ästhetik der Gewalt in der zeitgenössischen Kunst“

2001–2007  Studium der Kunsterziehung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Andreas Slominski, Prof. Olaf Holzapfel und Prof. Anselm Reyle
Studium der Germanistik für Lehramt am Gymnasium an der Universität Karlsruhe, wissenschaftliche Abschlussarbeit zum 1. Staatsexamen: „Schrecken und Spektakel. Künstlerische Avantgarde und der Geist des Terrorismus im 21. Jahrhundert.“
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, betreut von Prof. Dr. Rainer Metzger und Prof. Klaus Theweleit

2004–2005 ERASMUS-Stipendium: Studium der Kunst und Kunsttheorie an der Hochschule der Künste Bern sowie Kunstgeschichte, Soziologie und Islamwissenschaft an der Universität Bern

 

Vorträge

2011

"Black September in München. Zur Selbst- und Re-Inszenierung des Terrorismus im Film bei Steven Spielberg und in der Kunst bei Christoph Draeger." Kino Babylon/ Rosa-Luxemburg Platz Berlin.
Begleitprogramm zur Ausstellung „unheimlich vertraut . Bilder vom Terror“ bei C/O Berlin (10.09.–4.12.2011)

2010

„Hinter sicheren Mauern. Politische Kunst und die Kulturpolitik am Beispiel von Kunstausstellungen zum Terrorismus“, Symposium der Guernica-Gesellschaft am Institut für Kunstgeschichte des KIT | Karlsruhe Institut of Technology, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 4.-5. Nov. 2010.

"Die Produktion subversiver Bilder und die Struktur des Kunstmarktes", Global Studies: Kunst und visuelle Medien heute; ZKM Sommerakademie | Symposium im ZKM_Medientheater, Karlsruhe
 

„Die Fiktionalisierung des Letalen. Strategien der Gewaltdarstellung in der Gegenwartskunst.“ Doktorandenkolloquium des Schweizerischen Institut für Kunstgeschichte (SIK-ISEA) und des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Zürich, 24. Oktober 2009

2009   

„Erlöserschablonen“, Institut für Philosophie, 13.-14. Mai, Universidad Autonoma de Madrid

2008   

„When watching television, you never die“, 20. August, Platform Garanti, Istanbul.

„Dangerous Traces. Following the Imagination of Destruction“; Graduate Student Conference „Traveling in War Zones“, Columbia University, Department of Germanic Languages and Literatures, March 7 & 8, 2008, New York

2007   

„Modellcatastrophies and the puzzle of perception. Concerning the art of destruction in the works by Christoph Draeger“, Graduate Student Conference „(Mis)speaking the END“, at Cornell University/ Ithaca/ NY, USA, Feb 26-28, 2007

 

Veröffentlichungen

2009
„„Erlöserschablonen – Nachbilder des Terrorismus in der Kunst“, in: Martin
Schulz, Beat Wyss (Hrsg.): Techniken des Bildes, München 2010, S. 145 –
162.


Bazon Brock: Besucherschule an der documenta 6, in: Record Again. 40
Jahre Videokunst.de Teil 2, hg. v. Christoph Blase, Peter Weibel.


Chicks on Speed. Extended Paintbrush, in: Record Again. 40 Jahre
Videokunst.de Teil 2, hg. v. Christoph Blase, Peter Weibel.


2008
(Hrsg.): Terminator – die Möglichkeit des Endes. Bewältigung und Zerstörung als kreative Prozesse in Bildender Kunst, Literatur und Musik, Karlsruhe/ Bern/ Berlin 2006; darin: Terrorkunst: Die ästhetische Distanz zur Katastrophe.

2007
„Orgien! Orgien! Wir wollen Orgien!“ Zur Tragödie der Avantgarde. In: Munitionsfabrik 19, hrsg. v. Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Modellkatastrophen und das Puzzle der Rezeption. Zur Zerstörung im Werk von Christoph Draeger. In: Andreas Böhn und Christine Mielke: Die zerstörte Stadt. Mediale Repräsentationen urbaner Räume von Troja bis Sim City, Bielefeld 2007.

Zwischen Idylle und Katastrophe. In: Munitionsfabrik 17, hg. v. Katharina Neuburger und Jörg Scheller, HfG Karlsruhe 2007.

2006
Schnittstellen-Shortcuts. Videokunst im Oberstufenunterricht. In: Film, Video und Fotografie in der Schule. Fünf Unterrichtseinheiten zu den Künstlern Thomas Demand, Stan Douglas, Asta Gröting, Birgit Hein, Christian Jankowski, hg. v. Siemens Arts Program, München 2006, S. 88-109.

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